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Gemeinsam Verantwortlich

„Kirchliche Entscheidungen müssen durch eine breite Meinungsbildung von unten vorbereitet und getragen werden. Das setzt sachliche Information und angemessene Öffentlichkeit aller Entscheidungsvorgänge voraus. […]

Es soll ein Bewusstsein dafür geweckt werden, dass es in der Kirche eine Pluralität von Theologien, Frömmigkeitsformen und Pastoralmethoden geben muss. In den Entscheidungsgremien und in den Verwaltungsbehörden der Diözese müssen deshalb in angemessener Weise alle Richtungen vertreten sein. […]

Ganz besonders wollen wir darauf hinwirken, dass das Prinzip der kollegialen Verantwortung und der partnerschaftlichen Zusammenarbeit auf allen Ebenen der Kirche zur Geltung kommt. […] Die schon bestehenden Gremien (z. B. Diözesankomitee, Priesterrat, Seelsorgerat, Pfarrkomitee) müssen koordiniert werden. Sie müssen eine klar bestimmte Entscheidungskompetenz haben. […]

Verantwortlichen Experimenten muss ein viel größerer Raum zugestanden werden. Dies gilt z. B. für die Liturgie, die Gestaltung des pfarrlichen Lebens, die Zusammenarbeit […] und für den ökumenischen Bereich. Wir wollen dazu ermutigen, anregen und helfen. […]

Der Freckenhorster Kreis meldet sich dort zu Wort, „wo infolge autoritären Stils in kirchlicher Führung und Verwaltung“ Menschen in der Kirche „ungerechtfertigte Schwierigkeiten gemacht werden.“
(aus der Gründungserklärung des Freckenhorster Kreises 1969)

Bei seiner Gründung verwies der Freckenhorster Kreis auf die Impulse des Konzils, die von breiten Kreisen der Kirche nur zögernd aufgegriffen wurden. Wir knüpften gewisse Erwartungen an die Synode der deutschen Bistümer 1973. Heute stellen wir fest, dass einige Inhalte von Konzil und Synode von der Leitung unserer Kirche vergessen bzw. verdrängt wurden.
Die Päpste der letzten Jahrzehnte engagierten sich weltweit für Frieden, Aussöhnung und soziale Gerechtigkeit. Innerkirchlich hielten sie an hierarchischen Prinzipien fest. Sie stärkten die Macht der Kleriker und unterdrückten kontroverse theologische Debatten. Über einzelne Personen verhängten sie Schweige- und Publikationsverbote; ganze Ordensgemeinschaften wurden aufwändig durch den Vatikan überprüft.

Dass Papst Franziskus für Oktober 2014 eine außerordentliche Bischofssynode über Ehe und Familie einberief, dass er vorab in den Teilkirchen eine Umfrage durchführen ließ, bei der auch das Kirchenvolk zu Stellungnahmen aufgefordert wurde, und dass er bei der Synode selbst authentische und kontroverse Debatten anregte, gilt vielen als echter Hoffnungsschimmer. Es ist ein völlig neuer Stil. Und es ist offenkundig, dass sich viele Bischöfe diesem kommunikativen Stil widersetzen, auch wenn sie vordergründig den Papst loben.

Deutsche Bischöfe machten lange Jahre den Eindruck, den echten Kontakt zum Kirchenvolk verloren zu haben. Gehorsam führten sie aus, was in Rom entschieden worden war. Nur wenige hatten den Mut, das offene Gespräch mit Gläubigen und kirchlichen Mitarbeiter_innen zu führen. Dialoge, Diözesansynoden usw. blieben oft unverbindlich, insbesondere, was die die Umsetzung der Entscheidungen betrifft.

Noch immer wird das Engagement von ehrenamtlich Tätigen oder gut ausgebildeten Theologinnen mit Verweis auf Hierarchiefragen ausgebremst. Die Kirche verliert dadurch. Weder die Zusammenlegung von Gemeinden zu XXL-Pfarreien noch der Einsatz von Priestern ausländischer Herkunft lösen das Problem. Auch die Hoffnung, dass die Zahl der Priesteramtskandidaten wieder steige und dass man nur ein wenig durchhalten müsse, greift nicht.

Wir treten für das Recht jeder Gemeinde ein, die notwendigen Dienste und Ämter zu erhalten oder sich zu beschaffen. Dazu gehört auch das Recht der Gemeinden auf Eucharistie, das höher steht als kirchliche Einschränkungen des Zugangs zum Priestertum. Deshalb fördert der Freckenhorster Kreis alle Initiativen, in den Gemeinden neue Ämter und Dienste zu entwickeln, fähige Frauen und Männer für diese Arbeit zu schulen und für ihre kirchliche Anerkennung einzutreten. Dies gilt insbesondere für die zahlreichen Mitarbeiter in der Gemeindekatechese, in der Entfaltung gottesdienstlicher Feiern auch ohne Priester und in den vielfältigen caritativen und sozialen Diensten. Für Menschen, die sich für diese Dienste zur Verfügung stellen, fordern wir Bestätigung und Beauftragung.