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Aktuelle Berichte

Zum Davonlaufen –
90 Prozent der deutschen Katholiken bleiben dem Gottesdienst fern

Da müssten doch bei denen „ganz oben“ sämtliche Alarmglocken schrillen! Nur 10,4% der deutschen Katholiken haben im Jahr 2015 noch am Sonntagsgottesdienst teilgenommen, 1964 waren es noch 46%.19 Das Durchschnittsalter der Gottesdienstteilnehmer dürfte bei 60+ liegen. Bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Deutschland tendiert der Gottesdienstbesuch gegen Null. Und das ist europaweit so, sogar in Polen, Irland oder Italien zeigen sich Erosionen. Kirchen müssen abgerissen oder einem anderen Verwendungszweck zugeführt werden.
Schon 1964 hatte Romano Guardini offen die Frage gestellt: „Sollte man sich vielleicht zu der Einsicht durchringen, der Mensch des industriellen Zeitalters, der Technik und der durch sie bedingten psychologisch-soziologischen Strukturen sei zum liturgischen Akt einfach nicht mehr fähig? Und sollte man, statt von Erneuerung zu reden, nicht lieber überlegen, in welcher Weise die heiligen Geheimnisse zu feiern seien, damit der heutige Mensch mit seiner Wahrheit in ihnen stehen könne?“20 Seitdem hat sich ein grundlegender Wandel im Kirchenverhältnis vollzogen: „Weg von der normativen oder fremdbestimmten zu einer selbstbestimmten Kirchenbindung. Wenn man sich die Statistiken anschaut, werden nicht alle kirchlichen Riten und Glaubensvollzüge abgelehnt.

Ausgerechnet die Messe, die vom Klerus als Höhepunkt und Quell kirchlichen Lebens gedeutet wird, verliert dramatisch an Boden. Dagegen finden Riten der Lebenswende wie Erstkommunion, Hochzeiten, Taufen oder Beerdigungen nach wie vor Zustimmung, auch Weihnachtsgottesdienste. Auch wenn es darum geht, Katastrophen … zu verarbeiten, sind die Kirchen gefragt. Es gibt keine andere Institution, die in solchen Situationen als so resonant erlebt wird, also einen solchen Widerhall gibt.“21

Papst Franziskus hat dazu aufgerufen, „mutige Vorschläge“ zu entwickeln und neue Möglichkeiten zuzulassen, dass auch in Zukunft in überschaubaren Gemeinden Gottesdienste in lebensnahen Zusammenhängen gefeiert werden können.22 Einige Möglichkeiten und Postulate möchte ich hier nennen.

XXL-Gemeinden

Die jahrzehntelang vorgenommenen, allein an der (noch) vorhandenen Zahl der Priester orientierten Struktur-„Reformen“ in Form von Pfarreizusammenlegungen und –schließungen sollten endlich gestoppt werden. Hier wird auseinandergerissen, was über Jahrhunderte zusammengewachsen ist. Immer mehr Widerstand an der Basis regt sich dagegen. Das Eucharistie-Verlangen der Gemeinden darf nicht ignoriert werden, weil die Zahl der zölibatswilligen Priester immer geringer wird.
Dazu kommt, dass sich nach Ansicht des Paderborner Pastoraltheologen Herbert Haslinger viele katholische Priester von ihren Gemeindemitgliedern entfernt haben. „Zu vielen kirchlichen Funktionsträgern mangelt es an einer Grundsympathie für die Menschen. Etwas umgangssprachlicher formuliert: Man spürt in ihrem Reden und Verhalten, dass sie die Menschen nicht wirklich gern haben.“

19 1964: 46%, 1974: 34%; 1984: 27%; 1994: 19%; 2004: 15%; 2014 10,8%.
20 zit. nach: Religionsunterricht heute. Informationen des Dezernates Schulen und Hochschulen im Bischöflichen Ordinariat Mainz 3-4/1991,1.
21 M. Ebertz in einem Interview mit KNA am 18.7.2016 (KNA - qkrlr-89-00033).
22 http://www.katholisches.info/2016/02/15/priesterinnen-alt-68er-kraeutler-fordert-alternativen-zum-zoelibat/; blogspot.de/2016/02/bischof-krautler-fur-alternativen-zum.html (27.7.2016).

Zudem hätten viele Priester den Blick für den Dienst am Menschen verloren „Die Menschen lassen sich nicht mehr einfach dorthin bringen, wo kirchliche Funktionsträger sie haben wollen.“ Bei einigen Geistlichen beobachte er, „dass sie sich nicht damit abfinden, dass die vorfindbaren Realitäten - die nun mal die Wirklichkeiten sind, in denen Menschen heute ihr alltägliches Leben führen müssen - nicht mehr ihren Vorstellungen und Interessen entsprechen."23 Leider sind auch (allzu) viele Priester, die sich noch als wirkliche „Seelsorger“ (-Sorger!) verstehen und auch so tätig sein möchten, dazu genötigt, an Sonn- und Feiertagen von Transsubstantiation zu Transsubstantiation zu hasten und nur noch als „Sakramentenspendungs-Funktionäre“ zu agieren.

Die Liturgiekonstitution des II.Vatikanums erwartet von der Kirchenleitung: „Alle Gläubigen möchten zu der vollen bewussten und aktiven Teilnahme an den liturgischen Feiern geführt werden, … zu der das christliche Volk … kraft der Taufe berechtigt und verpflichtet ist“ (SC 14). Berechtigt (ius habet), nicht nur verpflichtet! Die Gemeinden haben ein Recht auf die Eucharistiefeier. Und die Kirchenleitungen sind verpflichtet, für eine ausreichende Zahl qualifizierter Leiter und Leiterinnen einer Eucharistiefeier zu sorgen. „Weil diese Pflicht im Wesen der Eucharistie selber wurzelt, ist sie ‚göttliches Recht‘ und überbietet ‚im Konfliktfall das legitime Bestreben der Kirche nach einem zölibatären Seelsorgeklerus'“, schreibt Wolfgang Seibel unter Berufung auf Karl Rahner.24

Aber davon will Rom nichts wissen. Nach Joseph Ratzinger/Benedikt XVI. sind die Gemeinden selbst daran schuld, wenn sie an Sonn- und Feiertagen keine Eucharistie feiern können: „Wo die Kirche nicht genügend Priester hervorbringt und nicht genügend Menschen zum ungeteilten, auch ehelosen Dienst für Gottes Reich zu begeistern vermag, da ist auch an der Eucharistiefähigkeit zu zweifeln.“25

Der emeritierte deutsche Kurienkardinal Cordes (*1934) preist als Ersatz die „geistliche Kommunion“ an.26 Ganz anders äußerte sich vor Jahren der brasilianische Kardinal Aloisio Lorscheider (1924-2007) zu dieser Praxis: „Da haben einige das ‚Votum Sacramenti‘ (den Wunsch nach dem Empfang des Sakraments) aus der Mottenkiste geholt, das sei gleich viel wert usw. Aber das steht in ihrem Buch, nicht im Leben. Im Leben ist das anders. Die sollen mal bei uns ins Landesinnere gehen und sehen, was das heißt, wenn monatelang niemand kommt, dass sie zusammen Eucharistie feiern können.“27

Anstelle der „Sättigung mit den österlichen Geheimnissen“28 werden „Wortgottesfeiern“ angeboten. So richtig und wichtig es ist, die Worte der Schrift hochzuschätzen – viele Gläubige empfinden das – zu Recht – als ungenügenden Ersatz und bleiben daheim. Sie können sich immerhin auf das II. Vatikanum berufen: „Vor allem durch die heilige Eucharistie wird jene Liebe zu Gott und den Menschen mitgeteilt und genährt, die die Seele des ganzen Apostolats ist.“29 Die Kirchenleitung hat die Pflicht, dafür zu sorgen, dass den Gläubigen diese Nahrun „mitgeteilt“ wird – gegebenenfalls durch Beseitigung von Hindernissen, die sie selbst aufgebaut hat. […]

23 H. Haslinger, Wider den Rückzug aus der Wirklichkeit, in: Herder Korrespondenz 8/2016, 48-51.
24 Stimmen der Zeit 1/1992, 1 f.
25 J. Ratzinger, Recht der Gemeinde auf Eucharistie?, in: ders., Theologische Prinzipienlehre, München 1982,
300-314; hier 313.
26 http://www.die-tagespost.de/abo-leserbriefe/leserbrief/Zur-Diskussion-um-die-bdquo-Geistige-Kommunion-ldquovon-der-auch-aus-Anlass-der-vatikanischen-Synode-zu-Ehe-und-Familie-verschiedentlich-die-Rede-war-Wiederentdecken-ndash-statt-vergessen;art632,155956; (27.7.2016).
27 Kardinal A. Lorscheider, Das konkrete Leben zur Sprache bringen ... Brasilianische Perspektiven zur Bischofssynode - Gespräch mit Kardinal A. Lorscheider, in: Orientierung 22/1987, 247 (Kursiv im Original).
28 II. Vatikanum, SC, Art. 48.
29 II. Vatikanum, LG, Art. 33.

»Zum Davonlaufen« von Norbert Scholl hier zum Weiterlesen [PDF-Dokument]

Der Freckenhorster Kreis spricht sich für neue Dienste und Ämter in der Kirche aus - eine Ermutigung

Auf einer Tagung des Freckenhorster Kreises, einer Reformgruppe im Bistum Münster, in der LVHS Freckenhorst am 7./8. Oktober 2016 wurden – auf dem Hintergrund der eigenen Wahrnehmung gesellschaftlicher und kirchlicher Realität, sowie eines Impulsreferates von Prof. Dr. Dr. Thomas Sternberg, Präsident des ZdK – sogenannte „Ermutigungen“ an die kirchliche Basis und an die Kirchenleitung verabschiedet. Darin heißte es:

Wir sind als Glaubende auf dem Weg in unserer Zeit, die nicht Gott-verlassen ist, aber von einem großen Umbruch in der gesellschaftlichen und kirchlichen Wirklichkeit geprägt ist.
In dieser Situation möchten wir zu neuen Schritten konkret ermutigen, damit der biblische Glaube heute und morgen Hoffnung ist und bleibt. […]

Auf der Jahrestagung des Freckenhorster Kreises 2016 verfasste Ermutigungen - 07./08.10.2016 hier zum Weiterlesen [PDF-Dokument]

als Ergänzung und Weiterführung:

Discurso papal MMPP:
Ansprache von Papst Franziskus an die zum Dritten Welttreffen der Sozialen Bewegungen Versammelten Aula Paul VI., Rom 05.11.2016 hier zum Weiterlesen
Übersetzung von Norbert Arntz [PDF-Dokument]

Abschlussbericht der Bischofssynode an Papst Franziskus

Einführung
1. Wir, die in der Synode um Papst Franziskus versammelten Väter, danken ihm, dass er uns zusammengerufen hat, um mit ihm und unter seiner Führung über die Berufung und Sendung der Familie heute nachzudenken. Ihm bieten wir in Demut und in dem Bewusstsein der Grenzen, die sie aufweist, die Frucht unserer Arbeit an. […]

Abschlussbericht der Bischofssynode an Papst Franziskus - 24.10.2015 hier zum Weiterlesen [PDF-Dokument]

Nach der Synode ist vor der Synode

Schon bei Synodenbeginn hatte die Spannung ihren Höhepunkt überschritten, schon im Vorfeld des Geschehens hatten auch reformwillige Bischöfe und Kuriale zu nachdrücklich vor „übertriebenen Erwartungen“ gewarnt. Sie ahnten und hatten sich schon damit abgefunden, dass sich die Blockade der Reaktionäre durchsetzen würde. Denn diese konnten sich auf Argumente berufen, die auch die Liberalen nicht offen angreifen würden: auf die Tradition und das Lehramt, was auch immer man darunter versteht. Diese Linie wurde von den Kardinälen Müller, Burke, Sarah, Bell, Brandmüller und anderen hochgestellten Hardlinern notfalls mit unfairen Methoden und unter der Gürtellinie vertreten.. […]

Eine Stellungnahme zum Schlussdokument der Bischofssynode vom 24.10.2015 von Hermann Häring hier zum Weiterlesen [PDF-Dokument]

Leben, Lehre, Kirchenvolk und Franziskus
Erwartungen von katholischen Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Trans*-Menschen (LSBT) an ihre Kirche

Lesbisch, schwul, bisexuell, trans* zu sein und entsprechend zu leben, das ist kein den ganzen Menschen erfüllender Lebensinhalt. Für viele Menschen ist aber das Coming-out als Befreiung von Ausgrenzung und (Selbst-)Verleugnung ein wichtiger Schritt. Glaubende verbinden ihn auch mit ihrer Gotteserfahrung. Die römisch-katholische Kirche hat sich jahrhundertelang an der Ausgrenzung von LSBT beteiligt. Sie hat Menschen die Luft zum Leben abgeschnürt. In ihren offiziellen Stellungnahmen spricht sie von schwerer Sünde. […]

"Familiensynode und LSBT" von Markus Gutfleisch hier zum Weiterlesen [PDF-Dokument]

Einkehrtage in Freckenhorst

Das Fraziskus-Projekt „Gerechtigkeit und Compassion“ im Jahr der Barmherzigkeit und in der Enzyklika „Laudato si´- über die Sorge für das gemeinsame Haus

Unter diesem Thema erlebten 32 Teilnehmer Anfang Januar 2016 intensive und nachhaltige Einkehrtage in Freckenhorst. Impulsgeber waren Pfr. em. Norbert Arntz, Kleve, und Prof. Dr. Andreas Lienkamp; Osnabrück. Die Meditationstexte auf den folgenden Seiten rahmten mit ihrer ungewohnten Ansprache die Einkehrtage zu nachdenklicher Dichte. […]

1. Rede Kardinal Bergoglios im Vorkonklave (Rom 9. März 2013), die wohl entscheidend für seine Wahl zum Papst war.

Der kubanische Kardinal Jaime Ortega hat das Manuskript der Rede veröffentlicht, die Kardinal Jorge M. Bergoglio während einer der Generalkongregationen im Vor-Konklave gehalten hat und die vermutlich mitentscheidend war für seine Wahl zum Papst. Kardinal Ortega versichert, der Papst habe ihn zu dieser Veröffentlichung autorisiert. […]

Impulstext: "Kirche-raus an die Peripherien!" von N. Arntz hier zum Weiterlesen [PDF-Dokument]

2. Das Franziskusprojekt

Vier Anstöße zur Theologischen Reflexion im "Heiligen Jahr der Barmherzigkeit" […]

Impulstext: "Das Franziskusprojekt" von N. Arntz hier zum Weiterlesen [PDF-Dokument]

3. Papst Franziskus aus der Enzyklika „Laudato si´- über die Sorge für das gemeinsame Haus

Mein Aufruf
13. Die dringende Herausforderung, unser gemeinsames Haus zu schützen, schließt die Sorge ein, die gesamte Menscheitsfamilie in der Suche nach einer nachhaltigen und ganzheitlichen Entwicklung zu vereinen, denn wir wissen, dass sich die Dinge ändern können. Der Schöpfer verlässt uns nicht, niemals macht er in seinen Plan der Liebe einen Rückzieher, noch reut es ihn, uns erschaffen zu haben. Die Menschheit besitzt noch die Fähigkeit zusammenzuarbeiten, um unser gemeinsames Haus aufzubauen. Ich möchte allen, die in den verschiedensten Bereichen menschlichen Handelns daran arbeiten, den Schutz des Hauses, das wir miteinander teilen, zu gewährleisten, meine Anerkennung, meine Ermutigung und meinen Dank aussprechen. Besonderen Dank verdienen die, welche mit Nachdruck darum ringen, die dramatischen Folgen der Umweltzerstörung im Leben der Ärmsten der Welt zu lösen. Die jungen Menschen verlangen von uns eine Veränderung. Sie fragen sich, wie es möglich ist, den Aufbau einer besseren Zukunft anzustreben, ohne an die Um-weltkrise und an die Leiden der Ausgeschlossenen zu denken. […]

Impulstext: "Enzyklika „Laudato si´“ : Der heilige Franziskus – Mein Aufruf" von A. Lienkamp hier zum Weiterlesen [PDF-Dokument]

DIE GEMEINSCHAFT DER KLEINEN PROPHETEN

Pädagogische, psychologische und juristische Unterstützung von Kindern und Jugendlichen in Risikosituationen in Recife/Brasilien – MISEREOR-Nr. P40009f

„Hängende Gärten“ „Genau hier müsst ihr die Löcher stechen für die Kordel, an der ihr die bepflanzte Flasche später aufhängen wollt. Erst einmal aber schneidet ihr ein großes Rechteck aus der Mitte der Plastikflasche heraus - in der Größe, wie ich es euch zeige.“ Die Workshopleiterin Tatiana Basílio ist in ihrem Element. Mit einer kräftigen Schere schneidet sie beherzt ein rechteckiges Loch in den Bauch der 2-Liter-Plastikflasche, die einstmals mit klebriger Coca Cola gefüllt war.

Die Gemeinschaft der Kleinen Propheten – Projektbericht 2015 hier zum Weiterlesen [PDF-Dokument]

Zwei Bücher, die lesenswert sind

So bleib doch ja nicht stehenvon Hubertus Halbfas

Über ein halbes Jahrhundert hat Hubertus Halbfas die Religionspädagogik maßgeblich mitbestimmt und geprägt, streitbar und umstritten, konsequent und kreativ. Hier legt er seine Autobiographie vor. Buchrezension und Assoziationen von Peter Bürger. […]

"So bleib doch ja nicht stehen" von Hubertus Halbfas hier zum Weiterlesen [PDF-Dokument]

Schwul + Katholischvon Gregor Schorberge

„Schwul + katholisch – Eine christliche Gottesdienstgemeinschaft“ lautet der Titel einer wissenschaftlichen Untersuchung (Berlin 2013) von Dr. Dr. Gregor Schorberger, promoviert in Theologie und Medizin sowie langjähriger Krankenhausseelsorger am Universitätsklinikum in Frankfurt am Main. Darin beschreibt er – auf recht spannende, gut zu lesende Art und Weise – nicht nur die Entstehung, Geschichte und Entwicklung eines Projektes, an dem er maßgeblich beteiligt war und ist, sondern auch Leben und Selbstverständnis einer schwul-lesbischen Gottesdienstgemeinschaft in der römisch-katholischen Pfarrei Maria Hilf in Frankfurt am Main. […]

"Schwul + Katholisch" von Gregor Schorberge hier zum Weiterlesen [PDF-Dokument]

Reformideen aus der Kirchengeschichte. Zur Partizipation in der katholischen Kirche

von Prof. Dr. Hubert Wolf

Am 30. April 2015 hat Prof. Dr. Hubert Wolf in der Reihe „Partizipation“ der Katholischen Akademie in Bayern zum o.g. Thema einen beachtenswerten Vortrag gehalten. Danach bietet die Geschichte der katholischen Kirche viele Ideen, nach denen notwendig aus der gegenwärtigen Klerikerkirche mit ihrer Ungleichzeitigkeit eine Kirche werden kann, in der „aktive Mitwirkung und Mitbestimmung des einzelnen Gläubigen in Entscheidungs- und Willensbildungsprozessen“ selbstverständlich sind.

Manuskript des Vortrages von Prof. Dr. Hubert Wolf (mit seiner Genehmigung) hier zum Weiterlesen [PDF-Dokument]

Hans Werners zum Gedenken

Mit überzeugenden, lebendigen Worten erinnert Ferdi Kerstiens an Pfarrer Hans Werners (1914 – 1995), einen der Initiatoren des Freckenhorster Kreises im Sommer 1969. Kerstiens war enger Mitarbeiter von Werners in der Katholischen Studentengemeinde Münster.

„Ich bin dankbar, dass ich Hans kennen lernen durfte. Ich habe viel von ihm gelernt. Hans las die Zeichen der Zeit und wandelte sich dabei. Sein Horizont wurde immer weiter. Er war ein faszinierender Mensch und ein treuer Zeuge des Evangeliums, von dem er lebte. Bei ihm habe ich erlebt, dass Theologie Leidenschaft wecken kann.

Seine Erfahrung als Sanitätssoldat im Zweiten Weltkrieg prägte ihn. Ein sterbender evangelischer Pfarrer schenkte ihm seine zerlesene Ausgabe des Neuen Testaments. Die hütete Hans durch alle Widerfahrnisse und Kontrollen und las darin, fand Kraft, auch die russische Kriegsgefangenschaft zu überstehen. 1989 gab er den Impuls zu einer Reise des Freckenhorster Kreises unter dem Motto: Versöhnung mit den Völkern der Sowjetunion.

Kirche St. Johannes in Recklinghausen, dem Geburtsort von Hans Werners. © Foto Markus Gutfleisch
Bild: Kirche St. Johannes in Recklinghausen, dem Geburtsort von Hans Werners. (© Foto von Markus Gutfleisch)

Hans war zunächst sehr hierarchisch geprägt. Demokratische Mitbestimmung und gesellschaftspolitisches Engagement innerhalb der Kirche setzten sich bei ihm schrittweise durch. Inzwischen hatte sich für ihn der kirchliche Wind gedreht. Er war zornig über die römischen Machenschaften, die das 2. Vatikanische Konzil zurückdrängen und wieder in hierarchischem Zentralismus alles bestimmen wollten. Später wurde er in die Synode der westdeutschen Bistümer gewählt. Als Sprecher der Glaubenskommission arbeitete er an der Erklärung „Unsere Hoffnung“ mit. Es lohnt sich, diesen Text zu lesen.“

Kerstiens nennt schließlich die Kontakte zu Befreiungstheologen und Bischöfen aus Lateinamerika. Mehrere Bischöfe besuchten den Freckenhorster Kreis; sie wurden Freunde. Hans Werners hat Reisen nach Brasilien gemacht und Sozialprojekte besucht. Daraus entwickelten sich Partnerschaften, die bis heute bestehen. […]

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